Körperoberfläche-Rechner (BSA)

Körperoberfläche in m² — wird für die Medikamentendosierung verwendet, vor allem in der Onkologie.

Wie es funktioniert

Die Körperoberfläche (BSA, Body Surface Area) ist ein klinischer Näherungswert für „wie viel Körper" vorhanden ist, hauptsächlich genutzt zur Dosierung von Medikamenten, die sich nach Oberfläche statt nach Masse verteilen — Chemotherapie ist der klassische Fall, mit Dosierungen in mg/m². Sie kommt auch im kardialen Index vor (Herzminutenvolumen ÷ BSA), in manchen GFR-Anpassungen und in der Brandverletzungsbeurteilung nach der Wallace-Neunerregel (die den prozentualen BSA-Anteil verbrannter Fläche schätzt). Bei den meisten Erwachsenen liegt die BSA zwischen 1,5 und 2,2 m². Vier Formeln dominieren die klinische Praxis. Mosteller (1987) ist die einfachste — √(Größe × Gewicht ÷ 3600) — und heute die am häufigsten verwendete; sie stimmt mit den älteren Gleichungen bei normalen Körpergrößen auf ~5 % überein und wird in den meisten modernen Krankenhausapotheken-Systemen genutzt. DuBois & DuBois (1916) war fast ein Jahrhundert lang der Standard; sie unterschätzt die BSA bei Personen mit extremer Körperzusammensetzung leicht. Haycock (1978) wurde für die Pädiatrie entwickelt und liefert bei Kindern die genauesten Werte. Boyd (1935) wird gelegentlich bei sehr leichtgewichtigen Erwachsenen genutzt. Die Unterschiede zwischen den Formeln liegen bei Erwachsenen mit durchschnittlichem Körperbau meist bei 1–4 %, können aber an den Rändern (sehr dünn, sehr adipös, sehr kleine Kinder) bis zu 10 % erreichen. Klinische Hinweise. (1) Die BSA unterschätzt die tatsächliche Oberfläche bei adipösen Patienten — deshalb „deckeln" Onkologie-Leitlinien die BSA für Chemotherapie-Dosierung oft bei 2,0 oder 2,2 m². Ohne Cap würden sehr adipöse Patienten Dosen über sicheren Maximalwerten erhalten. (2) Die Standardformeln gehen von einem „normalen" Körperbau aus und berücksichtigen keine Amputationen, schwere Ödeme oder Schwangerschaft. (3) Für Chemotherapie konkret das lokale Protokoll befolgen — manche Schemata nutzen die ungeglättete BSA, andere die auf Idealgewicht angepasste BSA, andere eine Pauschaldosis. Dieser Rechner liefert den Roh-BSA-Wert; klinische Entscheidungen treffen die verordnenden Ärzt:innen.

Die Formel

Mosteller (Standard): BSA = √(H_cm × W_kg ÷ 3600) DuBois: BSA = 0,007184 × W_kg^0,425 × H_cm^0,725 Haycock (Pädiatrie): BSA = 0,024265 × W_kg^0,5378 × H_cm^0,3964 Boyd: BSA = 0,0003207 × H_cm^0,3 × (W_g)^(0,7285 − 0,0188·log10(W_g))

H = Körpergröße in cm, W = Gewicht in kg (W_g = Gewicht in Gramm für Boyd). Ergebnis in m². Imperiale Eingaben werden intern vor Anwendung der Formel umgerechnet. Mosteller ist der empfohlene Default für Erwachsene und Jugendliche; Haycock für Kinder, Boyd für sehr niedriges Körpergewicht, DuBois zur Kompatibilität mit älterer klinischer Literatur.

Beispielrechnung

  • Erwachsener Patient: 175 cm, 70 kg, Standardformel Mosteller.
  • BSA = √(175 × 70 ÷ 3600) = √3,402... = 1,84 m²
  • Für Chemotherapie zu 75 mg/m²: 75 × 1,84 = 138 mg insgesamt.

Häufig gestellte Fragen

Welche Formel sollte ich verwenden?

Mosteller bei erwachsenen und jugendlichen Patient:innen — moderner Standard, einfach zu berechnen, und das, was die meisten Krankenhausapotheken-Systeme nutzen. Haycock bei pädiatrischen Patient:innen (unter 18) — sie wurde gezielt gegen gemessene Oberflächen bei Kindern validiert. Boyd bei sehr leichtgewichtigen Erwachsenen (unter ~50 kg), wo Mosteller abdriften kann. DuBois nur zur Reproduktion von Werten aus älterer klinischer Literatur vor Mosteller. Bei typischer ambulanter Erwachsenen-Dosierung liegen die Unterschiede zwischen den Formeln bei <5 % und ändern selten die gerundete Gesamtdosis in mg.

Was ist ein normaler BSA-Wert?

Bei Erwachsenen: durchschnittlicher Mann etwa 1,9 m², durchschnittliche Frau etwa 1,6 m². Der gesamte Normalbereich liegt je nach Größe und Statur etwa zwischen 1,5 und 2,2 m². Kinder sind deutlich kleiner — Neugeborenes etwa 0,25 m², 1-Jähriges etwa 0,5 m², 10-Jähriges etwa 1,1 m². „Normal" ist hier deskriptiv, kein Ziel — es gibt keinen klinischen Grund, eine bestimmte BSA anzustreben, nur den eigenen Wert zu kennen, damit die Dosierung passt. Athlet:innen, Bodybuilder:innen und sehr große Menschen liegen höher; kleine oder schlanke niedriger.

Warum „deckeln" manche Krankenhausprotokolle die BSA bei 2,0 m²?

Zwei Gründe. Erstens setzt BSA-basierte Dosierung voraus, dass die Wirkstoffclearance mit der Oberfläche skaliert — das stimmt grob für Normalgewichtige, bricht aber an den Rändern zusammen. Stark adipöse Patient:innen haben proportional mehr Fett (in das die meisten Medikamente weniger verteilen als in Magermasse), sodass eine strikte mg/m²-Dosis zu viel Wirkstoff liefern kann. Zweitens modellieren die Standardformeln die Oberfläche bei Adipösen nicht vollständig; sie extrapolieren. Beides führt zu Sicherheitsleitlinien, die die BSA für viele Zytostatika bei 2,0–2,2 m² deckeln. Der Cap ist protokollspezifisch — nicht jedes Medikament hat einen — und wird von der verordnenden Einrichtung festgelegt, nicht vom Rechner.

Ist dieser Rechner für die echte klinische Anwendung geeignet?

Die Mathematik ist korrekt und die Formeln sind Standard, aber ein Web-Rechner ist kein klinisches Entscheidungsunterstützungssystem. Für Verordnungsentscheidungen sollten Sie die im EHR-/Apothekensystem Ihres Krankenhauses ausgewiesene BSA nutzen, die Audit-Logs, Versionskontrolle und Rechenschaft eingebaut hat. Diese Seite eignet sich für: Lehre, Plausibilitätskontrolle einer per Hand berechneten Zahl, Planung vor Klinikbesuchen oder nicht-verordnende Rollen (Forschung, Abrechnung, Verwaltung). Nicht geeignet als alleinige Eingabe für eine Chemotherapie-Verordnung oder zeitkritische Dosierungen. Wie bei allen medizinischen Tools ersetzt dieser Rechner nicht das klinische Urteil einer approbierten Person, die Ihren Fall kennt.

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